Business-Dresscode

Von “Casual Friday” zu “Casual Everyday”?
Business-Dresscodes im Wandel

Kaum eine Branche macht derzeit mit ihrer Kleidung so viele Schlagzeilen in den Medien wie die Finanzdienstleistung. US-Investmentbanken lockern ihre strikten Bekleidungsvorgaben, die Krawattenpflicht wird bei vielen deutschen Sparkassen gekippt und die bislang eher formelle Unternehmenskleidung wandelt sich zum Dresscode „Business Casual“.

Während in vielen Branchen die Geschäftsbekleidung schon seit längerem leger ist, war der Finanzmarkt bisher durch traditionelle, eher konservative Kleidung geprägt. Noch vor zwei Jahren gab es in den meisten Häusern ungeschriebene Regeln in Bezug auf Anzugfarben, Absatzhöhen, Rocklängen und mehr. Zwar selten als Kleiderordnung festgeschrieben, aber in vielen Unternehmen stillschweigend vorausgesetzt. Lediglich am sogenannten „Casual Friday“ durften die Mitarbeiter in legerer Businesskleidung am Arbeitsplatz erscheinen.

Ein Bankberater im formellen Business-Dresscode

Foto: Monkey Business 2/Shotshop.com

Nun lockern sich auch hier vielerorts die Regeln und die Chefetagen von Investmenthäusern und Banken setzen vermehrt auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Sie appellieren „an deren guten Geschmack“, beziehungsweise „vertrauen darauf, dass sich die Mitarbeiter so kleiden, wie es ihre Kunden von ihnen erwarten.“ Aber was genau heißt das?

Es ist ein schöner Vertrauensbeweis für die Mitarbeiter, birgt aber auch Risiken und sorgt für zunehmende Verunsicherung. So sehr klare Regeln einschränken, geben sie doch auch Orientierungshilfe und Sicherheit. War bisher klar, dass Anzug oder Kostüm für das Kundengespräch businesstauglich waren, stellt sich jetzt schon morgens vorm Schrank die Frage, ob die Bluse mit Leoprint und modischen Jogpants für die Mitarbeiterin einer Bankfiliale nicht doch zu lässig sind. Im Zweifel sollte man sich besser für das etwas seriösere Outfit entscheiden. Und über guten Geschmack lässt sich bekanntlich sowieso streiten…

Da haben es Mitarbeiter, die offizielle Dienstkleidung tragen, einfacher. Aber letztlich ist jeder Mitarbeiter immer auch Markenbotschafter des Unternehmens und repräsentiert mit seinem Auftritt auch dessen Image.

Was erwarten die Kunden für ein Business-Outfit?

Wie steht es um das Image der Finanzdienstleistung hinsichtlich der Mitarbeiterkleidung? Was erwarten die Kunden dort heutzutage? Kommentare zu Online-Artikeln zum Thema belegen, dass die Meinungen hier weit auseinandergehen. Die einen sagen, ihr Bankberater könnte gerne genauso leger gekleidet sein wie Mitarbeiter anderer Branchen auch. Andere erwarten immer noch ein seriöses, klassisches Outfit wie den Anzug bei ihrem Banker. Und was ist eigentlich mit der Krawatte?

Mann bindet Krawatte

Foto: AndrewLozovyi/Shotshop.com

Ist die Krawatte noch zeitgemäß?

Manager aus dem Silicon Valley haben es vorgelebt, jetzt sieht man es auch bei Bilanzpresse-konferenzen großer deutscher Unternehmen immer häufiger: Vorstände in dunklem Anzug und hellem Hemd – aber ohne Krawatte. In vielen Fällen zum Verwechseln ähnlich. Man mag über den Binder denken was man will – er hat zumindest Farbe und Muster ins Spiel gebracht und für Unterscheidung gesorgt.

Zur Diskussion stand die Krawatte im Verlauf ihrer langen Geschichte immer mal wieder – warten wir ab, ob sie auch dieses Mal dem neuen Trend zur Lässigkeit widersteht.

Vielleicht sollte es einfach jedem Mann selbst überlassen bleiben, ob er eine Krawatte als individuelles Stilmittel nutzt oder sie aus Bequemlichkeit oder modischen Vorgaben weglässt.

Wie sieht ein Banker-Outfit im digitalen Zeitalter aus?

Sitzt uns unser Bankberater künftig in Jeans, T-Shirt und Sneakern gegenüber? Oder doch weiterhin in Anzug und Hemd, wahlweise mit oder ohne Krawatte?

Hier sind sich Geschäftsführung und Teile der Belegschaft in vielen Bankhäusern uneins. Bei den Unternehmen, die sich dem Dresscode-Wandel öffnen, sehen die Vorstandsetagen ihre Mitarbeiter nach wie vor meist eher klassisch gekleidet. Zwar durchaus gelockert, also auch ohne Krawatte oder strenges Kostüm – die Jeans sind für die meisten aber nach wie vor ein „no go“. Dem schließen sich viele Beschäftigte an. Andere Mitarbeiter hingegen (miss)interpretieren den nun vorgegebenen Dresscode „Business Casual“ als Freizeitdress und möchten im Job das gleiche tragen wie privat in ihrer Freizeit.

Allerdings ist „Business Casual“ keineswegs reine Freizeitbekleidung, sondern, wie der Name schon suggeriert, immer noch – wenn auch etwas legerere –Businessbekleidung.

Junge Mitarbeiter im Dresscode Business Casual

Foto: marcus/Shotshop.com

Der Dresscode „Business Casual“ birgt einige Fettnäpfchen.

Viele Dresscode-Definitionen sind diesbezüglich nicht eindeutig und die konkrete Auslegung ist häufig branchen- und unternehmensabhängig. Ist eine gepflegte dunkle Jeans in Kombination mit einem Hemd als „Business Casual“ in einer Firma völlig okay, muss es bei der anderen mindestens eine Chino mit Hemd und Sakko sein, um als „Business Casual“ durchzugehen. Das macht es nicht leichter. Die Unternehmen täten gut daran, ihren Mitarbeitern Orientierungshilfen an die Hand zu geben – etwa in Form von Stilleitfäden oder Stilseminaren. Hier können externe Stilexperten übrigens gut unterstützen.

Es wird spannend sein, wie das Banker-Outfit in Zukunft aussehen wird. Viele Finanzdienstleistungsunternehmen werden (vorerst?) auch weiterhin beim traditionellen, formellen Banker-Dresscode bleiben. Diejenigen, die über einen neuen Look nachdenken, sollten ihre Mitarbeiter (und auch Kunden) möglichst früh in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen, damit alle Seiten ihre Vorstellungen einbringen können. Das Ergebnis sollte ein Dresscode sein, mit dem sich alle Mitarbeiter identifizieren können – von der Stabstelle über Vertrieb und Filiale bis zur Vorstandsetage. Im Idealfall bietet er eine Bandbreite an Kombinationsmöglichkeiten, die die Arbeit im Backoffice ohne Kundenkontakt genauso gut abdeckt wie wichtige Kundentermine. Und die den unterschiedlichsten Kundenerwartungen gerecht wird. Eine echte Herausforderung!

Der erste Eindruck entscheidet

Vor allem aber repräsentieren Mitarbeiter in jedem Outfit das Image des Unternehmens als kompetentes, kundenorientiertes Finanzdienstleistungsunternehmen. Und das kann sowohl mit einer gepflegten Jeans mit sportlichem Blazer der Fall sein, als auch im Anzug – je nach Typ und Situation. Wichtig ist, dass alles perfekt sitzt und das Erscheinungsbild gepflegt ist. Denn der berühmte erste Eindruck entscheidet nach wie vor!

Die Sparkassen etwa beschreiten hier einen guten Weg. Sie beziehen Mitarbeiter, Kunden und häufig auch externe Stilberater bei der Umsetzung ihrer neuen Dresscodes mit ein.

Als Imageberaterin habe ich diesen Prozess in den letzten Monaten bei einer Sparkasse begleitet und werde darüber in meinem nächsten Blogbeitrag berichten. Und wir werden den Dresscode „Business Casual“ einmal näher beleuchten… Bleiben Sie gespannt!

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