Digitalkompetenz Teil 2

Digitalkompetenz für Trainer und Coaches: Die technische Ausstattung

Beim Online-Training ist Ihr Arbeitsplatz Ihre Bühne. Die gleiche Sorgfalt, mit der Sie einen Seminarraum beim Präsenztraining optimal vorbereiten, sollten Sie beim Video-Training Ihrem „virtuellen Setting“ zukommen lassen. Ein Aspekt, der leider viel zu oft vernachlässigt wird! Es lohnt sich, in eine professionelle technische Ausstattung zu investieren.

Im ersten Teil meiner Blogreihe „3 Erfolgs-Tipps für den Durchbruch in Sachen Digitalkompetenz als Weiterbildungsexperte“ ging es um unser professionelles Erscheinungsbild, heute dreht sich alles um die Technik.

Welche Technik brauche ich für Online-Trainings?

Es muss nicht immer gleich der Porsche unter dem technischen Equipment sein, in der Regel bieten schon Geräte aus dem mittleren Preissegment eine solide Grundausstattung für ein erfolgreiches Online-Training. Aber nach oben hin sind die Grenzen natürlich offen 😉

Im Folgenden habe ich exemplarisch jeweils mein eigenes Equipment aufgeführt, ohne Affiliate Links. Bitte nicht als Schleichwerbung verstehen, sondern lediglich als Anregung, bzw. Bemusterung!

Welche Kamera eignet sich für das Video-Training?

Damit Sie im Online-Coaching kompetent rüberkommen, sollten Sie in eine gute externe Webcam investieren. Die eingebaute Notebook- oder PC-Kamera ist für ein professionelles Setting meist qualitativ eher wenig geeignet, genauso wie die Aufnahme über ein Smartphone.

Gute Webcams mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel bekommt man mittlerweile nach dem ersten Corona-Hype schon wieder für rund 100 Euro. Ich benutzte beispielsweise die HD Pro C 920 Webcam von Logitech (ca. 85 Euro), aber auch die höherwertige Logitech BRIO (ca. 160 Euro) ist eine empfehlenswerte Alternative.

Webcam

Die Webcams von Logitech eignen sich ideal für Video-Konferenzen (Foto: N. Dornberger)

Die externe Webcam wird ganz einfach oben auf das Notebook aufgesteckt und per USB-Anschluss mit dem Rechner verbunden. Achten Sie darauf, dass Ihr Notebook etwas erhöht steht, damit die Kamera auch auf Augenhöhe platziert und der Blickwinkel frontal ist und Sie nicht von unten oder oben unten aufnimmt.

Und ganz wichtig: Schauen Sie direkt in die Kamera! Häufig neigen wir dazu, auf unsere Aufzeichnungen oder das Video-Bild unseres Gesprächspartners zu blicken und so den Blick abzuwenden und unserem Gegenüber nicht direkt in die Augen zu schauen.

Natürlich können Sie auch mit einer hochwertigen Videokamera anstelle von einer Webcam arbeiten.

Tipps für einen guten Audio-Ton

Damit nicht nur das Bild, sondern auch der Ton hochwertig ist, sollten Sie für eine gute Audio-Qualität ein gutes Headset oder ein externes Podcast-Mikro verwenden. Auch wenn viele Rechner und auch externe Webcams bereits eingebaute Micros haben, empfehle ich den Einsatz eines (weiteren) externen Mikros.

hochwertiger Kopfhörer für Video-Calls

Ein Headset oder Podcast-Mikro sorgen für gute Tonqualität im Video-Call (Foto: N. Dornberger)

Wenn Sie nicht mit einem Headset arbeiten wollen, weil der Kopfhörer die Frisur ruiniert oder die Kabelverbindung im Handling stört, macht der Einsatz eines guten Podcast-Mikros Sinn. (Bspw. das Rode NTUSB USB-Kondensatormikrofon oder das Samson Meteor, um nur zwei Beispiele zu nennen). Headset oder Podcast-Mikro werden in der Regel ganz einfach über eine USB-Steckverbindung installiert und Sie müssen nur noch den richtigen Audio-Eingang auf Ihrem Rechner initiieren.

Achten Sie auch auf die Raumakustik. Manchmal macht es Sinn, einen Teppich auszulegen, Vorhänge anzubringen oder mobile Audiowände aufzustellen, damit der Raum-Hall unterdrückt wird.

Spot an für eine professionelle Beleuchtung

Ein ganz wichtiger Punkt bei Video-Calls ist die richtige Ausleuchtung! Mit Gegenlicht, Schatten im Gesicht oder Überstrahlung von einer Lichtquelle von hinten oder von der Seite können Sie jede noch so kompetente Wirkung ruinieren.

Investieren Sie in externe Leuchten. Dies kann im einfachsten Fall ein Ringlicht sein (bspw. Neewer dimbare Ringleuchte), das Sie vor Ihrem Rechner aufstellen, über Softboxen (z.B. von Neewer oder ESDDI) bis zu kleinen oder großen LED-Panels (GSKAIWEN dimmbare Bi-Color LED Videoleuchte, 2er Set für ca. 90 Euro, alternativ Elgato Key Lights oder RALENO LED-Videoleuchte).

Beleuchtung für den Video-Call

Ob Ringlicht, Softboxen oder LED-Lights – die richtige Beleuchtung zählt beim Video-Call (Foto: pexels)

Ideal ist Tageslicht mit 5400 Kelvin, am besten regelbar von Kalt- bis Warmlicht (Spektrum von 3200 – 5600K). Und idealerweise im Neigungswinkel und in der Höhe verstellbar. Das Licht sollte leicht diffus von vorne und von leicht oben auf Sie scheinen, dann können Sie auch die Gläser-Spiegelung als Brillenträger vermeiden. Manchmal bietet es sich an, den Hintergrund zusätzlich auszuleuchten.

Wenn Sie einen Raum mit starkem Tageslicht-Einfall haben, sollten Sie ggf. auch noch in ein Verdunkelungs-Rollo oder -Vorhang vor den Fenstern investieren. Wer schon einmal selbst erlebt hat, wie stark sich die Lichtschwankungen bei plötzlicher Sonneneinstrahlung auf unser Video-Bild auswirken (Stichwort: Weißabgleich) weiß, wovon ich spreche…

Augen auf beim Hintergrund!

Im vorherigen Absatz bin ich schon kurz auf den Hintergrund unseres Settings eingegangen.

Es macht nicht nur Sinn, diesen eventuell zu beleuchten, sondern sich generell mit dessen Wirkung zu beschäftigen. Leider ein Aspekt, der sehr häufig unberücksichtigt bleibt! Und so finde ich es immer wieder erstaunlich, vor welchen Hintergründen sich auch Experten in Video-Calls präsentieren, ohne sich der unprofessionellen Wirkung eines unaufgeräumten Zimmers o.ä. bewusst zu sein. Nicht jeder Einblick ins private Wohn- oder Arbeitszimmer eignet sich fürs Business und manch ein chaotisch gefülltes Wand-Regal vermittelt ungewollt (falsche?) Schlussfolgerungen auf die eigene Person.

Da würde sich der Einsatz der Weichzeichner-Funktion oder eines Green-Screens anbieten, den manche Video-Konferenzsysteme im Programmumfang integriert haben. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten – um diese Elemente wirklich stimmig einzusetzen, braucht es perfekte Beleuchtung. Sonst flimmern Bereiche – häufig der Umriss des Kopfes oder sogar mehr – und auch das lenkt unseren Gesprächspartner unnötig ab.

Unser Video-Hintergrund sollte möglichst unauffällig sein und unsere Person in den Fokus rücken. Ein Roll-Up oder ein Bild mit dem eigenen Firmenlogo kann eine schöne Marken-Requisite sein und unser Corporate Design präsentieren, darf aber trotzdem nicht zu prominent das Bild dominieren. Und ein Bild sollte nicht nur unaufdringlich sein, sondern möglichst auch keine Glasscheibe haben, sonst kann es zu Spiegelungen durch die Beleuchtung kommen.

Aufzeichnung Video-Call

Der Hintergrund spielt im Video-Call eine wichtige Rolle (Foto: N. Dornberger)

Wenn die eigene Kleidung mit den Logo-Farben harmoniert, kann dies einen schönen Effekt geben. Aber Achtung vor heller Kleidung vor heller Wand oder dunklem Outfit vor dunkler Wand.

Ich experimentiere gerade mit der Wandfarbe meines Büros – von reinweiß bis hellgrau – und bin gespannt, was besser wirkt!

Noch ausführlicher beschäftigt sich meine Kollegin Rebekka Richter mit dem Thema Hintergrund im Online-Setting in ihrem Blogartikel auf unserem Netzwerk Corporate Color.

Wichtig – eine gute Internet-Verbindung

Wichtig ist auch eine gute Internet-Verbindung mit einer hohen Bandbreite, wenn Sie ein störungsfreies Online-Coaching durchführen wollen. Am sichersten arbeiten Sie, wenn Sie statt W-LAN-Nutzung Ihren Rechner mit einem LAN-Kabel mit Ihrem Router/Netzwerk verbinden

Zoom, Skye, MS Teams – welche Web-Applikation eignet sich?

Last but not least noch ein Wort zu den Konferenztools für videounterstützte Online-Konferenzen und Webinare. Das Angebot wird immer vielfältiger – Zoom, Skype (for Business), Microsoft Teams, edudip, GoToMeeting, Adobe Connect und vieles mehr gibt es mittlerweile auf dem Markt. Testen Sie aus, welche Software oder Plattform sich für Ihre eigenen Belange am besten eignet und sowohl vom Leistungsumfang als auch von den Kosten zu Ihnen passt. Die meisten Anbieter bieten eine kostenlose Probeversion (z. T. mit eingeschränkter Benutzeroberfläche) an, mit der man in einem ersten Schritt testen kann, ob das Programm den eigenen Anforderungen entspricht.

Manch einem reicht eine einfache Meeting-Lösung für die Kommunikation per Audio oder Webcam ohne viel technischen Schnickschnack. Wenn Sie allerdings in virtuellen Klassenzimmern mit interaktiven Tools wie breackout-Rooms oder Whiteboard-Nutzung arbeiten, sollte auch Ihre Trainings-Plattform eine breitgefächerte Tool-Auswahl bieten.

Videocall

Das Angebot an Video-Konferenzsystemen wird immer größer (Foto: Pixabay)

Wenn Sie als externer Berater in Unternehmen tätig sind, müssen Sie mit Ihrem jeweiligen Kunden klären, welche Plattform dort im Unternehmen genutzt wird, bzw. werden darf. Auch die Firmen haben im letzten Jahr entsprechend aufgerüstet und z.T. – auch aus Datenschutzgründen – klare Vorgaben.

Wichtig: Machen Sie sich im Vorfeld mit der Technik vertraut, üben Sie mit Freunden oder Kollegen, probieren Sie sich aus. Denn nichts ist der eigenen Kompetenz abträglicher als ein unprofessionell durchgeführtes Online-Training. Technische Störungen kann und wird es immer mal geben – das liegt nicht immer in Ihrer Hand – aber eine gute Vorbereitung ist schon mal die halbe Miete.

Auf YouTube gibt es viele gute Video-Tutorials zum Thema Technik – stöbern Sie dort doch einfach mal durch. Gerne unterstütze ich Sie aber auch mit einem Coaching für Ihren professionellen Online-Auftritt als Weiterbildungsexperte.

Und wenn trotz allem die Technik doch mal versagt – bleiben Sie souverän!

Technik und professionelles Erscheinungsbild stehen, jetzt stellt sich noch die Frage nach einem passenden E-Learning Konzept. Eine Auswahl meines E-Learning-Angebotes finden Sie hier. Alles weitere zu dieser Komponente gibt es im dritten Teil meiner Blogreihe…

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