Nachhaltige Arbeitsbekleidung als gute Tat: Einblick in ein Corporate Fashion Projekt

Wenn Unternehmen heute Verantwortung übernehmen wollen, beginnt das oft bei Themen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken –  zum Beispiel Arbeitskleidung. Textilien begleiten Mitarbeitende täglich – und ihr ökologischer Fußabdruck ist größer, als viele vermuten.

Anlässlich ihres 140. Jubiläums setzt die bbg Berliner Baugenossenschaft eG genau hier an: Unter dem Motto 140 Jahre bbg. 140 gute Taten entschied sie sich als eine der sichtbarsten Jubiläumsinitiativen und als Bestandteil ihres neuen Corporate Designs für die Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks durch die Einführung neuer, nachhaltiger Arbeitsbekleidung.

Als Imageberaterin und Corporate Fashion Coach durfte ich dieses Projekt über mehrere Monate als externe Beraterin begleiten und im Zusammenspiel mit internen und externen Beteiligten steuern. Von der Analyse über die Auswahl nachhaltiger Hersteller und Produkte bis zur finalen Einführung.

Die HauswartInnen der bbg in neuer, nachhaltiger Arbeitskleidung (Foto: © Supermarket Lab)

In diesem Artikel gebe ich Einblicke in die wichtigsten Bausteine des Projektes und biete Firmen, die einen ähnlichen Weg gehen möchten, eine Orientierung, welche Stellschrauben für eine erfolgreiche Umsetzung wichtig sind.

Die drei Nachhaltigkeitssäulen als Grundlage

Nachhaltigkeit in der Textilproduktion umfasst ökologische, soziale und ökonomische Aspekte über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Für Corporate Fashion bedeutet das:

  • ressourcenschonende Materialien
  • faire Produktionsbedingungen
  • langlebige Kleidung mit kluger Bedarfsplanung

Diese Dreiteilung hilft dabei, ein solches Corporate Fashion Projekt ganzheitlich zu betrachten – nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und betriebswirtschaftlich.

Der Projektablauf: Von der Analyse bis zum Rollout

Das Corporate Fashion Projekt der bbg erstreckte sich über knapp ein Jahr und folgte einem klar definierten Projekt-Fahrplan, den wir gemeinsam in einem Auftaktmeeting Anfang letzten Jahres mit dem bbg-Vorstand und einem ausgewählten Projektteam erarbeitet haben.

Besonderes Augenmerk lag auf der Arbeitskleidung der Hauswartinnen und Hauswarte, die täglich in den Wohnanlagen der Baugenossenschaft im Einsatz sind. Mit ihrer Arbeit repräsentieren sie die Genossenschaft als „Markenbotschafter“ vor Ort und sind als Mitarbeitende der bbg an ihrer Kleidung sofort erkennbar.

bbg-Hauswarte als „Markenbotschafter“ in ihrer neuer Corporate Fashion (Foto: © Supermarket Lab)

1. Analyse-Phase: Bedürfnisse der Mitarbeitenden verstehen

Zu Beginn stand die Frage: Was brauchen die Mitarbeitenden wirklich?
Dazu gehörten:

  • Bestandsaufnahme der bisherigen Workwear-Kollektion
  • Mitarbeiterbefragung
  • Rollenprofile und Abteilungsanforderungen
  • Definition von Art, Umfang und Design der Kollektion
  • Logistikprozesse

    bbg-Hauwart Lars M. in neuer Workwear (Foto: © Supermarket Lab)

2. Planungsphase: Ziele und Kriterien festlegen

Aus der Analyse entstanden konkrete Projektleitplanken:

  • funktionale Anforderungen
  • Corporate Design-Vorgaben
  • Auswahl nachhaltiger Hersteller und Produkte
  • optimierte Größen- und Bedarfsplanung
  • Zeit- und Meilensteinplanung
  • Konzept zur Verwertung des Workwear-Altbestandes

Phase 3: Hersteller- und Lieferantenauswahl

Die bbg hat sich für die Umsetzung einer Standard-Kollektion entschieden. Nach intensiver Recherche blieben zwei Hersteller mit starken Nachhaltigkeitsstandards in der engeren Wahl. Beide Partner überzeugten durch ein breites Sortiment an nachhaltiger Workwear, ökologischen Materialinnovationen und hohen Qualitätsstandards.

Über eine Ausschreibung wurde ein ortsansässiger Lieferant ausgewählt, der die komplette Abwicklung – Vermessung, Beschaffung, Veredelung, Logistik – übernimmt. Die Kooperation läuft über fünf Jahre.

Bei der Vermessung wurden Mustersteile der neuen Workwear an- und ausprobiert (Foto: Gansow Arbeitsschutz)

Phase 4: Umsetzung & Rollout

Erste Kollektions-Muster haben wir dann einem Mitarbeiter-Projektteam zwecks Feedbacks zu Funktionalität, Passform und Optik präsentiert. Die Rückmeldungen flossen direkt in die finale Auswahl ein – ein entscheidender Baustein für Akzeptanz und Alltagstauglichkeit.

Die Einzelteile wurden so ausgewählt, dass sie für Tätigkeiten im Außen- und Innenbereich geeignet sind. Entsprechend halten sie unterschiedlichen Wetterbedingungen stand und bieten zugleich Bewegungsfreiheit sowie Funktionalität.

In der Zentrale der bbg stapelten sich die Kartons mit der neuen Arbeitskleidung (Foto: bbg)

Nach der endgültigen Auswahl startete die Umsetzung:

  • finale Größenaufnahme, bzw. Vermessung der Mitarbeitenden
  • Festlegung Stückzahlen und Logo-Platzierung
  • Bestellung beim Lieferanten
  • Auslieferung
  • Einführungs-Workshops zum Thema „Markenbotschafter“
  • Kommunikations-Kampagne
  • Entsorgung bzw. Weiterverwendung der alten Kleidung

Nachdem die neue Arbeitskleidung fristgerecht zur Wintersaison Anfang Oktober an die Mitarbeitenden ausgeliefert wurde, fand Mitte November ein gemeinsamer Teamtag mit allen HauswartInnen als Projektabschluss statt – inklusive Markenbotschafter-Workshops und Feedbackrunde.

Konstruktives Feedback in den Workshops beim Teamtag Hauswarte (Foto: © Supermarket Lab)

Für mich war es wertvoll, die Workshops zu leiten und direkt zu erleben, wie engagiert und offen sich alle eingebracht habe. Das positive, aber auch konstruktive Feedback hat mir zudem bestätigt, wie wichtig dieser Austausch ist denn er zeigt, wie stark die soziale Dimension der Nachhaltigkeit wirkt: Zusammenarbeit, Motivation und Teamgeist. Zu sehen, wie die neue Arbeitskleidung im Einsatz wirkt – vor allem in der großen Gruppe – war sehr eindrücklich und hat mir verdeutlicht, welchen Beitrag dieses Projekt zur einheitlichen und professionellen Erscheinung des Teams leistet.

So vielfältig ist die neue Workwear der bbg-Hauswartinnen und Hauswarte (Foto: © Supermarket Lab)

Nun steht als letzter Meilenstein nur noch die sinnvolle Entsorgung der alten Arbeitskleidung an.Vom Faser-zu-Faser-Recycling bis zu Upcycling-Projekten gibt es hier verschiedenste Optionen – am Ende wird die tatsächliche Restmenge den Ausschlag für eine der von mir recherchierten und präsentierten Nutzungsalternativen geben.

Zahlen, Daten, Fakten zum Projekt

  • 120 Mitarbeitende wurden ausgestattet
  • Über 20 Kollektionsteile und rund 1.500 Kleidungsstücke wurden beschafft
  • Beispiel Bundhose: Senkung des CO2-Ausstoßes um fast 30% und nahezu 50% Wasser-Ersparnis

Diese Zahlen zeigen: Die Umstellung ist mehr als Symbolik – sie hat messbare Wirkung. Es ist möglich, dass Arbeitskleidung robust, funktional und gleichzeitig ressourcenschonend ist.

Fazit: Gut angezogen für die Zukunft – faire Arbeitskleidung als Statement

Das Corporate Fashion Projekt der Berliner Baugenossenschaft zeigt, wie Unternehmen Nachhaltigkeit sichtbar und messbar machen können.

Die neue Arbeitskleidung der bbg ist nicht nur funktional – sie ist Ausdruck von Identität. Sie steht für Verantwortung, Gemeinschaft und Zukunft. Und sie ist ein Beispiel dafür, dass gute Taten sichtbare Spuren hinterlassen können.

Mir hat dieses spannende Projekt viel Spaß gemacht, weil es genau jenen Wandel verkörpert, den ich in meinen Beratungen so oft anstoße: sichtbare Zeichen setzen für Verantwortung, Wertschätzung und Zukunftsorientierung.

Bild und Zitat Bbg-Vorständin Kerstin Kirsch zum Corporate Fashion Projekt

Kerstin Kirsch, kaufmännische Vorständin der bbg (Foto: © Supermarket Lab): „Die Zusammenarbeit mit Frau Dornberger war durchweg professionell und ausgesprochen angenehm. Sie verstand es, sich nahtlos in die Abläufe unseres gesamten Teams einzufügen und mit allen Mitarbeitenden auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Besonders hervorzuheben sind ihre profunden Kenntnisse im Bereich Corporate Wear: Mit sicherem Gespür für Markenwirkung, Funktionalität und Design hat sie unsere Anforderungen schnell erfasst und fachkundig in nachhaltige Lösungen weiterentwickelt. Wir danken Frau Dornberger herzlich für die exzellente Zusammenarbeit.“

Praxis-Tipps: So gelingt nachhaltige Corporate Fashion

Wenn ich Unternehmen berate, die etwas Ähnliches umsetzen möchten, empfehle ich folgende Schlüsselschritte:
  1. Bedarf genau analysieren:
    Qualitative und quantitative Daten sparen später Kosten und Ressourcen.
  2. Mitarbeitende einbeziehen:
    Akzeptanz entsteht durch Beteiligung – die Mitarbeiter-Perspektive ist unersetzlich. Befragungen, Tragetests und Feedbackrunden sind Gold wert.

    Hauswartin Andrea in neuer, nachhaltiger Corporate Fashion

    bbg-Hauswartin Andrea K. in ihrer neuen, nachhaltigen Corporate Fashion (Foto: © Supermarket Lab)

  3. Hersteller sorgfältig prüfen:
    Nachhaltigkeitszertifikate, Materialzusammensetzung und Produktionsstandards müssen klar und transparent sein. Denn Nachhaltigkeit ist mehr als ein Label.
  4. Lebenszyklus ganzheitlich denken:
    Nachhaltigkeit endet nicht bei der Beschaffung: Kleidung sollte reparierbar, leicht pflegbar und recycelbar sein.
  5. Professionelle Projektsteuerung:Externe Expertise bringt Struktur, vermeidet Fehlentscheidungen und hält Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im Gleichgewicht.

Für Organisationen, die ähnliche Wege gehen möchten, biete ich Unterstützung in allen Projektphasen – von der Analyse über die Auswahl bis zur Umsetzung und Implementierung.

Nachhaltige Arbeitskleidung ist kein Trend – sondern ein strategischer Schritt in Richtung Zukunft.