>, Slow Fashion>Capsule Wardrobe

Capsule Wardrobe

Perfekte Garderobenplanung: Der Aufbau einer Capsule Wardrobe

Unsere Kleiderschränke sind voll! Und wir nutzen nur ein Fünftel davon. Immer öfter werden Kleidungsstücke nur einmal getragen oder hängen sogar noch mit Original-Preisschild im Schrank –  Auswirkungen der heutigen Fast Fashion Gesellschaft. Wenn Mode zum Wegwerfprodukt wird, beginnt Nachhaltigkeit am eigenen Kleiderschrank.

Wer kennt das nicht: Wir stehen morgens vor unserem (prall gefüllten) Kleiderschrank – und wissen doch wieder nicht, was wir anziehen sollen!

Wir horten über Jahre, können uns oft von liebgewonnenen Kleidungsstücken nicht trennen, oder hoffen, dass die Teile nach der nächsten Diät endlich doch wieder passen. Am Ende haben wir den Überblick verloren, Chaos im Schrank und jeden Tag die Qual der Wahl.

Ein Blick in den übervollen Kleiderschrank frustriert häufig

Zeit, für eine Detox-Kur des Kleiderschranks!

Ausmisten ist angesagt – aber mit System! Nach dem Minimalismus-Prinzip soll am Ende eine sogenannte „Capsule Wardrobe“ unseren Kleiderschrank füllen – eine kleine (saisonale) Auswahl an Kleidung, die gut miteinander kombinierbar und trendunabhängig ist. In der wir uns rundum wohlfühlen und für die meisten Lebenssituationen gut gerüstet sind.

Vor allem ist sie so aufgebaut, dass sie unseren eigenen Stil perfekt unterstreicht: farblich, typgerecht und auf unsere individuelle Figur und Persönlichkeit zugeschnitten.

Das ist befriedigend, gut gegen den Nix-Anzuziehen-Frust und zunehmenden Shopping-Wahnsinn. Und spart darüber hinaus noch Zeit, Geld und Nerven.

4 Schritte auf dem Weg zu einer Capsule Wardrobe

Schritt 1: Analyse und Kleiderschrankcheck

Bevor es mit dem Ausmisten losgehen kann, geht’s allerdings erstmal ans Analysieren. Und zwar des eigenen Stils. Zugegeben, das ist oft der schwierigste Teil des ganzen Projektes. Aber wer den eigenen Stil nicht kennt, hat am Ende auch keine typgerechte Capsule Wardrobe.

Wer sich mit der Stilfindung schwer tut, sollte sich eine professionelle Stilberatung gönnen. Eine Investition, die sich langfristig auf jeden Fall rechnet. Am besten macht man gleich eine kombinierte Farb- und Stilberatung, weil auch Farben in der Capsule Wardrobe eine wichtige Rolle spielen.

Einen ersten Hinweis auf den eigenen Stil und Lieblingsfarben liefert häufig ein Kleiderschrankcheck: Was findet sich alles in meinem Schrank? Habe ich bevorzugte Farben, ähnliche Schnitte, gibt’s eher Klassiker oder überwiegen gemusterte, extravagante Teile?

Wie viel habe ich überhaupt in meinem Schrank und was trage ich davon oft, selten oder gar nicht? Wenn ich etwas seit Jahren nicht mehr angezogen habe, woran liegt es? Welche „Bühnen“ bespiele ich in meiner aktuellen Lebenssituation: Brauche ich mehr Freizeitgarderobe oder viel Business-Kleidung? Wenn, wie sieht mein Business-Dresscode aus?

Schritt 2: Definition und Aufbau meiner Capsule Wardrobe

Im nächsten Schritt sollte ich mir darüber klar werden, wie umfangreich meine Capsule Wardrobe werden soll. Reichen mir 20 Teile pro Saison oder brauche ich eher 50? Eingefleischte Minimalisten haben saisonal nur 15 Kleidungsstücke im Schrank – jeweils inklusive Schuhe, exklusive Accessoires wie Taschen, Schmuck und Schals. Aber Lebenskonzepte und persönlichen Anforderungen sind unterschiedlich und so sollte jeder seine eigene Richtgröße definieren – ohne das Minimalismus-Prinzip aus den Augen zu verlieren.

Zeitlose Basics sind die Grundlage jeder Capsule Wardrobe. (Foto: Pixabay)

Welche von meinen Kleidern eignen sich für meine Capsule Wardrobe?

Sicher haben wir schon einiges im Schrank, was wir nutzen können. Wichtig sind vor allem gut kombinierbare Basics, möglichst hochwertig, zeitlos und zum eigenen Stil passend. Shirts, Hemden, Jeans und Stoffhosen, diverse Jacken und Schuhe für alle Jahreszeiten. Mit klassischen Schnitten und Materialien ist man in der Regel gut bedient, dennoch kann der sportive Typ schlichtere Basic-Shirts vertragen als der extravagante Typ.

Farblich empfehlen sich für die Basics zwei neutrale dunkle und zwei 2 neutrale helle Farben, ergänzt um zwei bis drei Akzentfarben. Idealerweise kommen alle Farben aus dem eigenen Farbtypspektrum, das bei der Farbberatung analysiert wurde.

Eine geschickte Kombination aus hochwertigen Basics (70 %) und individuellen Statement-Teilen (30 %) sorgt für Individualität. Mit passenden Accessoires kann man den schlichten Basisteilen seine persönliche Note verleihen und sie typgerecht stylen.

Alles, was sich an vorhandenen Kleidungsstücken farblich, qualitativ, von Passform und Stil her als Basisteil eignet und sich gut kombinieren lässt, darf also prinzipiell rein in den Schrank. Damit es aber nicht zu viel wird, werden doppelte Teile (also bspw. 5 weiße Blusen) aussortiert und nur die aufgenommen, in denen man sich wirklich rundherum wohlfühlt.

Schritt 3: Kritisches Sichten und Ausmisten

Nun werden die „Vielleicht-Teile“ unter die Lupe genommen. Gibt es Kleidungsstücke, die ich durch ein Umstyling/Upcyling weiterverwerten kann? Die nur eine kleine Reparatur benötigen oder durch die Änderungsschneiderin (oder DIY) wieder in eine neue Form gebracht werden können? Wenn sich das nicht lohnt – konsequent aussortieren! Bei den „Vielleichts“ lauern die größten Gefahren, diese Stücke doch wieder in den Schrank zu schummeln….

Manches Lieblingsstück lässt sich durch Upcyling für die neue Capsule Wardrobe wieder verwenden. (Foto: unsplash.com)

Jetzt wird ausgemistet. Alles was nicht mehr passt (Farbe, Stil, Größe), wird aussortiert – rigoros! Ebenso zu selten oder nie Getragenes. Und dann ab damit in den Secondhandshop, zum Flohmarkt oder zur Kleidertauschparty – ganz im Sinne von Slow Fashion. So kann man ein wertvolles Stück auch mit gutem Gewissen loslassen.

Behalten werden nur noch Sachen, die wirklich zum eigenen Lebensstil passen. In denen wir uns gut fühlen und die funktional und gut kombinierbar sind.

Imageberater können sinnvolle Unterstützung bieten

Wem das ganze Projekt in Eigenregie zu mühsam ist, der kann sich externe Unterstützung holen. Farb-, Stil- und Imageberater misten nicht nur den Kleiderschrank mit aus, sondern stellen eine farb- und typgerechte Capsule Wardrobe für ihren Kunden zusammen. Der unparteiische Blick von außen schafft Klarheit und spart Zeit und Nerven.

Die Glückshormone, die beim Blick in unseren am Ende übersichtlich und gut sortierten Kleiderschrank ausgeschüttet werden, belohnen die Psyche mehr als jeder Schnäppchenkauf!

Nie wieder ein Schrank voll „Nichts anzuziehen“. Endlich können wir unsere Schätze wieder wertschätzen. Was jetzt noch im Schrank geblieben ist, sind zeitlose Lieblingsteile im eigenen Stil und in den passenden Farben. Alles passt perfekt zusammen – und zu uns. Mit einem Griff in den Schrank stellen wir ein Outfit zusammen, das unsere Persönlichkeit wirklich unterstreicht.

Schritt 4: Nachhaltig Shoppen

Nachhaltiges Shoppen – ganz im Sinn von Slow Fashion. (Foto: Shotshop)

Damit das auch in Zukunft so bleibt, sollten wir auch unser Shoppingverhalten nachhaltig ausrichten.

Jetzt kennen wir unseren Stil und wissen, was uns steht. Das spart künftig Zeit und Geld beim Einkauf, weil wir seltener, sicherer und bewusster shoppen gehen. Wir füllen nur noch Lücken in unserer Capsule Wardrobe oder kaufen Ersatz – in guter Qualität und aus möglichst fairer Produktion oder SecondHand. Weniger ist mehr. Und weil wir nicht mehr jeden Modetrend mitmachen, werden auch in der Produktion Ressourcen gespart und damit die Umwelt geschont.

Sollten wir doch mal bei einem Spontankauf schwach werden – genießen wir es ohne Reue! Nur sollten wir es nicht zur Gewohnheit werden lassen, sonst ist unser wunderbar minimalistischer Kleiderschrank bald wieder voll.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Aufbau Ihrer Capsule Wardrobe. Tun Sie für sich und unsere Umwelt etwas Gutes, gestalten Sie Ihren Kleiderschrank und Ihr Shoppingverhalten nachhaltig und nach dem Slow Fashion-Gedanken.

Und wenn Sie professionelle Unterstützung brauchen, bin ich gerne für Sie da.

By |2020-03-02T16:26:52+01:00Januar 17th, 2020|Allgemein, Slow Fashion|0 Comments

Leave A Comment