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Festliche Leihmode

„Traumkleid mit Geschichte“ – Braut- und Abendmode zum Leihen

„Zwischen Tüll und Tränen“, „Mein perfektes Hochzeitskleid“ oder „Die schönste Braut“ – Brautshows sind im Fernsehen beliebt. Denn die Wahl eines Brautkleides ist etwas Besonderes. Möchte man an seinem schönsten Tag im Leben auch zugleich etwas für die Umwelt tun, ist das Leihen eines Brautkleides eine nachhaltige Alternative zum Kauf.

In meinen letzten Blogbeiträgen habe ich mich mit Fast-, Fair- und Slow-Fashion befasst. Zu den Slow-Fashion Konzepten gehört auch Mode zum Leihen oder Mieten. Dieser Thematik gehe ich einmal nach und besuche eine Kundin von mir, die einen Verleih für exklusive Braut- und Festmode hat. Dorothea Sodogé hat sich mit ihrem Laden „Traumkleid“ einen eigenen Traum erfüllt und ihr Faible für schöne Kleider zum Beruf gemacht.

Aussenansicht Laden Traumkleid

„Traumkleid“ – hier gibt es Braut- und Abendmode zum Leihen. (Foto: Sodogé)

In ihrem schnuckligen kleinen Laden am Rande von Hannover finde ich ein überraschend großes Sortiment von über 300 Modellen – Brautkleider, Abendkleider und Cocktailkleider für jeden Anlass. Das gemütliche Ambiente bietet den perfekten Rahmen für eine entspannte Anprobe in Wohlfühlatmosphäre. Oder, wie in unserem speziellen Fall, eine inspirierende Untermalung für unser Interview:

Innenansicht Verleihmode-Laden Traumkleid

Slow Fashion at it’s best: Über 300 Modelle an festlicher Mode stehen zum Verleih. (Foto: Sodogé)

Nicole Dornberger (ND): Frau Sodogé, Nachhaltigkeit ist im Trend, das Bewusstsein, dass wir auch in Bezug auf Kleidung umdenken müssen und auf nachhaltige Mode-Konzepte setzen sollten, steigt. Secondhand-Läden und auch der Verleih und Mietservice für Kleidung boomen. Macht sich diese Entwicklung auch bei Ihnen durch eine wachsende Nachfrage nach Ihrem Angebot bemerkbar?

Dorothea Sodogé (DS): Ja, die Nachfrage steigt definitiv und das Angebot spricht sich herum. Immer häufiger höre ich von Kunden, dass nicht nur praktische Überlegungen für das Leihen von Kleidung sprechen, sondern auch der Umweltgedanke eine immer größere Rolle spielt.

Portraitfoto von Dorothea Sodogé

Dorothea Sodogé bietet Braut- und Abendmode zum Mieten. (Foto: Wynn Photodesign)

ND: Als Sie Ihren Laden 2011 eröffnet haben, waren Slow Fashion Konzepte noch nicht so verbreitet wie heute, Sie sind also so etwas wie eine Trendsetterin in der Branche. Was hat Sie auf die Idee für einen Laden mit Verleihmode gebracht?

DS: Die Idee ist mir gekommen, da mein eigenes Brautkleid seit einiger Zeit nur noch auf dem Dachboden hing. So ein wertvolles Kleid nur für wenige Stunden tragen und dann auf dem Dachboden oder im Keller lagern. Was für eine Verschwendung, wenn man die aufwendige Arbeit daran betrachtet! Es gibt diesen bekannten Hochzeitsbrauch, zur Hochzeit etwas Altes, etwas Neues, etwas Blaues und etwas Geliehenes zu tragen. Warum soll das Geliehene nicht sogar das Brautkleid sein? So kann man der Verschwendung von Material und Ressourcen doch wunderbar entgegenwirken.

ND: Wenn ich mir Ihre Braut- und Abendkleider so ansehe, dann wirken alle sehr modern und neuwertig. Wie ist Ihr Konzept – kaufen Sie gebrauchte Braut- und Abendkleider auf oder bieten Sie Neuware an?

DS: Es handelt sich um aktuelle Modelle, die überwiegend neu oder neuwertig sind. Ich biete exklusive Brautkleider namhafter Hersteller wie z. B. Maggie Sottero, La Sposa, Lilly, Romantica, Sophia Tolli an. Bei den Herstellern einzukaufen hat den Vorteil, dass ich aktuelle Modelle in meiner Wunschgröße kaufen kann. So stelle ich sicher, dass mein Angebot in jeder Konfektionsgröße sehr vielfältig ist und aktuell bleibt. Und so bin ich auch auf größere Kundinnen in Bezug auf die Kleiderlänge besser vorbereitet.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Brautkollektion keine 500 Kleider umfassen muss, manchmal reicht eine Auswahl von 3 -5 Kleidern, weil man sich relativ schnell in ein einziges Traumkleid verliebt – und eine zu große Auswahl häufig eher verwirrt und überfordert.

Vor allem hat auch Braut- und Abendmode ihre Trends, und als Braut möchte ich natürlich ein modernes Brautkleid für den schönsten Tag in meinem Leben haben – egal, ob ich mir ein Brautkleid kaufe oder leihe. 

ND: Mit welchem Preis muss ich rechnen, wenn ich mir bei Ihnen ein Brautkleid leihen will? Und was umfasst das „Verleihpaket“?

DS: Die Leihgebühr für Brautkleider liegt zwischen 400,- Euro und  550,- Euro je nach Neupreis des Kleides. Auf diese Weise sparen Sie je nach Modell weit über 1000,- Euro gegenüber dem Neukauf. Und das Schöne ist: Die passenden Accessoires, wie Reifrock und Brautschleier, Bolero, Stola und Schmuck sind in der Leihgebühr schon mit enthalten. Alleine für Accessoires kann man beim Neukauf schnell mal mehrere hundert Euro zusätzlich ausgeben. Und auch eine Versicherung und die professionelle Reinigung sind im Verleihpreis inklusive.

Foto eines Leih-Brautkleides

In der Verleihgebühr sind Versicherung und Reinigung inklusive. (Foto: Nicole Dornberger)

ND: Haben Sie alle Kleider in allen Größen, oder wie stellen Sie sicher, dass das ausgesuchte Traumkleid der Kundin für den großen Tag passt?

DS: Ich habe für alle Konfektionsgrößen zwischen 34 und 46 attraktive Angebote. Und jedes Kleid wird bei Bedarf professionell angepasst, damit es am Ende perfekt sitzt.

ND: Wenn ich bei Ihnen mein „Traum-Brautkleid“ gefunden habe, wie geht es dann weiter?

DS: „Ihr“ Kleid wird für Sie zurückgehängt und kurz vorm Hochzeitstag findet dann eine nochmalige Anprobe – mit Schuhen, Accessoires und allem Drumherum – statt. Ggf. nimmt meine Änderungsschneiderin noch letzte Korrekturen vor und wenn alles passt, nehmen Sie Ihr Kleid inklusive aller Accessoires mit. Die Mietdauer beträgt ca. eine Woche und dann bringen Sie mir das Gesamtpaket zurück. Und müssen sich um nichts mehr kümmern: Keine Reinigung, keine sperrige Aufbewahrung, keine Gedanken darüber, was Sie mit dem Kleid in Zukunft anfangen sollen…

ND: Sie haben es gerade angesprochen: Die sperrige Aufbewahrung und die Gedanken, was mache ich denn in Zukunft mit dem Kleid. Ich habe mein Brautkleid  nachträglich eingefärbt, das war damals groß in Mode – und es dann doch nie wieder getragen. Sind auch dies Gründe, warum immer mehr Menschen sich Kleidung leihen?

DS: Ja natürlich. Bei Leihmode stecken neben zunehmend ökologischen Gründen oft auch ganz praktische Erwägungen dahinter. Ich schone meinen Geldbeutel und die Umwelt, wenn ich ein Braut- oder Abendkleid für den Bruchteil des Kaufpreises mieten und Produktionsressourcen sparen helfen kann. Gerade auch bei Abendmode, die meist doch eher selten genutzt wird, habe ich mit Leihmode immer wieder ein anderes Kleid für jeden festlichen Anlass – und spare auch noch Platz in meinem Kleiderschrank. Eine Kundin hat es einmal so ausgedrückt: „Mein Kleiderschrank für festliche Kleidung ist ab jetzt bei Ihnen!“

Foto bunter Leih-Abendkleider

Bereits ab 40,- Euro kann man ein Abendkleid mieten. (Foto: Sodogé)

ND: Ihre Abendkleid-Auswahl leuchtet in allen Farben des Regenbogens – von der festlichen langen Abendrobe bis zum kurzen Cocktailkleid. Wie sieht Ihre Kundschaft hierfür aus und wo kommt sie her?

DS: Immer mehr Frauen fragen sich, warum sie sich für jeden festlichen Anlass ein neues Kleid kaufen sollen, wenn sie ein hochwertiges Modell namhafter Hersteller bereits ab 40 bis 60 Euro mieten können. Und so kommen meine Kundinnen aus allen Altersklassen und einem großen Einzugsgebiet. Schülerinnen, die ein Kleid zum Abi- oder Abschlussball suchen, ebenso wie Damen auf Kleidersuche für den Opernball oder einen festlichen 60sten Geburtstag. Und obwohl mein Laden im Umkreis von Hannover liegt, kommen Kundinnen auf der Suche nach ihrem perfekten Leihkleid sogar aus Hamburg oder Magdeburg bis ins ländliche Luthe bei Wunstorf gefahren.

ND: Bei einer so vielfältigen Kundenklientel gibt es bestimmt die unterschiedlichsten Erlebnisse bei den Anproben. Ist Ihnen hier etwas Besonderes in Erinnerung geblieben?

DS: Jede Beratung ist auf ihre Art besonders. Ich lege großen Wert darauf, dass die Anprobe zu einem entspannten und individuellen Erlebnis für jede Kundin wird. Darum gibt es bei mir nur vorherige Terminabsprachen, damit jede Kundin meine alleinige Aufmerksamkeit hat und ganz ohne Zeitdruck in Ruhe anprobieren kann. Häufig bringen die Kundinnen auch Angehörige mit. Einen besonders schönen Gedanken hat einmal ein Brautvater geäußert. Er schaute in Richtung der Brautkleider und sagte: „Wissen Sie was ich toll finde – hier hat jedes Kleid nicht nur seine eigene Geschichte, sondern auch immer eine Aufgabe. Es macht Menschen glücklich – immer und immer wieder. Es hat seinen Sinn.“

Aussenportrait von Dorothea Sodoge

Dorothea Sodogés Motto: „Bei mir gibt es für jede Frau das richtige (Leih) Kleid“. (Foto: Wynn Photodesign)

ND: Was macht Ihnen am meisten Freude an Ihrem Job?

DS: Dass ich Menschen glücklich machen kann. Wenn ich beispielsweise Kundinnen auch einmal etwas Neues aufzeigen kann: für sie neue Farben oder ungewohnte Schnitte und sie dann am Ende tolle Komplimente dafür bekommen. Das können Sie als Imageberaterin bestimmt nachvollziehen, denn in Ihren Beratungen geht es ja auch um die perfekte Farbe und den passenden Stil für jeden Kunden. Nichts ist doch letztlich für beide Seiten zufriedenstellender, als wenn nach einer ehrlichen und typgerechten Beratung am Ende jede Kundin weiß, was perfekt zu ihr passt. Darum heißt mein Motto:  Bei mir gibt es für jede Frau das richtige Kleid!

ND: Ein wunderschönes Schlusswort, liebe Frau Sodogé, vielen Dank für das Interview.

Wer mehr über den Laden wissen möchte, hier geht’s zur Website:

By |2020-03-10T12:31:38+01:00Februar 28th, 2020|Allgemein, Slow Fashion|0 Comments

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